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Als ich ein Teenager war, hatte mein Vater mehrmals bemerkt, später einmal werde ich wohl in einer Bar arbeiten… Seine eher desillusionierten Worte entsprangen einerseits der Tatsache, dass ich ein absoluter Nachtmensch war und anderseits weil ich, zu seiner Enttäuschung, weder an Mathematik noch an den Naturwissenschaften interessiert war. Nichts liebte ich mehr als Geschichten zu erfinden und zu schreiben. Mit meinem ersten Roman “Ein Kuss um Mitternacht” (spielt mehrheitlich in Kalifornien, das ich damals nur von Bildern her kannte) marschierte ich als 15-jährige durch Zürich und bot mein Manuskript den Verlagen persönlich an. Mit einer Kurzgeschichte sprach ich beim Jugendmagazin “Pop” vor und erhielt auch tatsächlich eine mündliche Zusage. Es wurde mir versprochen, dass meine Geschichte als Foto-Story abgedruckt würde (leider wurde mir zum späteren Zeitpunkt wieder abgesagt, doch die Geschichte erschien tatsächlich, jedoch leicht abgeändert, ein paar Wochen später in der Zeitschrift, ohne dass mein Name in irgendeiner Weise involviert gewesen wäre…. Doch dies ist wieder eine andere Geschichte, die wohl eher zum Erwachsenwerden gehört, sowie die dazugehörende Tatsache, dass der damalige Chefredaktor der Zeitschrift heute DER Medienzar Europas ist). Generell holte mich das Erwachsenwerden - das Leben - ein, und da ich von meinem Schreiben nicht leben konnte, entschied ich mich wenigstens für einen Beruf “mit Büchern” (die andere Leute geschrieben haben). Als Bibliothekarin liebte ich es, Buchempfehlungen abzugeben sowie den Leuten das Lesen “zu verkaufen” oder sie zumindest meine Liebe zu Büchern spüren zu lassen. Während meiner Arbeit beim Schweizer Fernsehen war Schreiben zwar ein grosser Teil meiner Aufgabe, doch ich musste realisieren, dass “Schreiben” eben viele Gesichter hat: ich vermisste das unbeschränkte Erfinden, die Freiheit der Idee, die Phantasie der Sprache. Und so blieb kreatives Schreiben weiterhin ein Hobby, bis ich irgendwann viele Jahre später definitiv entdeckte wie es sich anfühlt, wenn man es nicht als zweitrangig behandelt… Wenn ich heute zurückschaue, denke ich oft, dass die lapidare Bemerkung meines Vaters gar nicht so abwegig gewesen war. Ich hätte bestimmt jenen unkonventionelleren Weg auch einschlagen können. Auf diese Weise hätte ich vielleicht meine Leidenschaft fürs Schreiben nie vernachlässigen müssen…. tagsüber hätte ich überzeugt schreiben können, und nachts hätte ich in der Bar nicht nur Geld verdient sondern gleichzeitig bestimmt auch viele Ideen für meine Geschichten sammeln können. Ein Nachtmensch bin ich bis heute geblieben… “It is never too late to be what you might have been.” - Georg Eliot |
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